Social Entrepreneurship und BlackRock als Inspiration für Kirche

Ganz offensichtlich stimmt hier etwas nicht – der weltgrößte Investement-Fond und Kirche, da gibt es thematisch keine Bezüge. Und doch spielte der „shift“, den BlackRock anlässlich des 30-jährigen Jubiläums an seine Beteiligungen kommunizierte, auf der sh|ft 2018 eine Rolle.

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Daniel Nowack, verantwortlich bei Yunus Social Business für Social Entrepreneurship Accelerator Programme, berichtete über den Brief von Lauwrence Fink, CEO von BlackRock, an das Leadership seiner Investments:  

„We also see many governments failing to prepare for the future, on issues ranging from retirement and infrastructure to automation and worker retraining. As a result, society increasingly is turning to the private sector and asking that companies respond to broader societal challenges. Indeed, the public expectations of your company have never been greater. Society is demanding that companies, both public and private, serve a social purpose. To prosper over time, every company must not only deliver financial performance, but also show how it makes a positive contribution to society. Companies must benefit all of their stakeholders, including shareholders, employees, customers, and the communities in which they operate.“

Damit macht Lauwrence Fink deutlich, dass neben der reinen Ökonomie auch eine weitere und im Besonderen normative Dimension eine Rolle spielt: Der soziale Beitrag, den eine Organisation für die Gesellschaft stiftet. Wahrscheinlich wäre es zur Zeit der Gründung von Black Rock noch recht unvorstellbar gewesen, sich von der mono-rationalen Sicht auf den homo oeconomicus zu verabschieden.

Für die Kirche stellt sich die Frage – haben wir immer diese Perspektive? In Kirche und Diakonie zeigen sich mehr und mehr gemeinwesenorientierte Projekte, an einigen Stellen entstehen Dialoge und Kooperationen mit säkularen Initiativen. Zugleich fallen mehr und mehr junge und freie Initiativen und die Handlungsfelder aus dem Blickfeld von Kirche und Diakonie. Hier übernehmen mehr und mehr säkulare Initiativen – so beispielsweise im Bereich der Nachbarschaftshilfe, Lebensberatung u. a. Die Frage, die sich für Kirche stellt: Ist das „Geschäftsmodell“ von Kirche immer auf den Nutzen der Gesellschaft, im Sinne von Bonhoeffers „Kirche für andere“ ausgelegt? 

Für Fink ist die Ausrichtung auf einen sozialen Zweck mehr als eine Zutat – sie ist überlebenswichtig:

„Without a sense of purpose, no company, either public or private, can achieve its full potential. It will ultimately lose the license to operate from key stakeholders.“

„Kirche muss sich - genauso wie andere Organisationen – nach der Relevanz ihres Tuns fragen.“, so Daniel Nowack auf der sh|ft 2018. „Am Anfang steht für mich nicht die Frage nach dem „Geschäftsmodell“ – ich glaube nicht, dass sozialer Wandel ein Geschäftsmodell hat, eher anders herum: Was ist der Sinn des „Unternehmertums“ – welchen Zweck erfüllen Organisationen und Unternehmen noch?“

“Das eigentliche Potential der Kirche sehe ich in einer ethischen, normativen Instanz, weg von Aktionismus. Aktionismus haben wir schon genug. Das Wichtige ist dass wir uns Leitplanken für die Actio geben. Da Menschen heute aber nicht wirklich Geduld und Zeit haben, lange technologisch-ethische Abhandlungen zu lesen, müssen wir andere Zugangswege finden. Da finde ich Serien wie "Black Mirror" im Übrigen sehr gelungen, weil es Menschen zum Denken anregt. Wie die Kirche hier Relevanz finden kann, weiß ich nicht. Im Automobilbereich baut man Prototypen um auf den nächsten Evaluationsschritt hinzuarbeiten. Vielleicht braucht eben auch die Kirche eine Art Zukunftsausstellung – wie die sh|ft eben.“

 

Weiterführende Links:
"Social Enterprise Is Not Social Change", Standford Social Innovation Review

Motoki Tonn