Simon de Vries: der Snapchat Pastor

Mutig digitalisieren und den damit verbundenen Wandel gestalten. Gleichzeitig aufpassen, diesen Wandel und die sozialen Medien nicht nur als reine Kanäle zu verstehen, durch die das unveränderliche Evangelium hindurchbefördert werden müsse. Simon de Vries faszinierte uns mit seinen Einblicken und veranschaulichte sie mit einem Vergleich von Walnuss und Zwiebel. Gerade den sozialen Medien aufgeschlossene verstehen das Evangelium gleich einem Kern, der gut geschützt ist und unberührt bleibt, während seine Hülle durchaus unterschiedliche Formen annehmen kann. Allerdings glaubt Simon de Vries, dass dieses Bild nicht wirklich passt. Die gute Nachricht gibt es nicht in Rein-Form, sie formt sich jeweils neu in ihrem jeweiligen Kontext. Sie gleicht einer Zwiebel mit vielen Lagen.

 

Wie eine Kontextualisierung des Evangeliums in seinem Alltag aussehen kann, zeigt er anhand der App Snapchat, die viel von Jugendlichen genutzt wird. Er erzählt, wie er sich auf einen Lernprozess damit eingelassen und darin nach seiner Rolle als Pastor gesucht hat. Mit viel Flexibilität, Humor, Kreativität und Herz begann er schließlich eine Reihe, in der NutzerInnen ihm Fragen zum Leben und Glauben stellen konnten.

 

Er schildert eine besondere Situation: Jemand hatte ihn nach seinem Lieblingsgegenstand in der Kirche gefragt. Nachdem er den Fürbittenleuchter genannt hatte, meldeten sich NutzerInnen über Snapchat mit persönlichen Anliegen. Für jedes dieser Anliegen zündete er in seiner Kirche eine Kerze an und postete diese Momente in kurzen Videosegmenten. Als Simon de Vries davon erzählt, werden die ZuhörerInnen im Havfen ausgesprochen still. Sie scheinen zu spüren, wie menschlich und persönlich es auch im digitalen Raum zugehen kann. Mehr, als man vielleicht denkt.

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Reflektiert von Friedhelm Wachs, Wachsonian GmbH, Beratungsgesellschaft

Die sh|ft ist das Pluszeichen in einer Gleichung von Einsen und Nullen, die durch den digitalen Rückstand in der Kirche viele Minuszeichen hat. Mich hat die sh|ft begeistert. Sie gibt digitalen Unternehmern und Kirchenmitarbeitenden Raum, eine Theologie im Digitalen zu erfahren und zu erarbeiten. Sie zeigt die zarten Pflanzen, in denen der Glaube in die digitale Welt transformiert. Sie zeigt, dass der Glaube auch im Digitalen seinen Raum finden wird. Doch das ist nichts Neues für die Evangelische Kirche. Aus der Reformation eine neue Kirche zu schaffen war schwer. Die Rolle der Staatskirche abzustreifen war eine existenzielle Aufgabe. Die Transformation nach dem Dritten Reich war ebenso existenziell. Es wird gelingen. Und die sh|ft wird die Übergänge markieren. Eine großartige Rolle. Danke dafür.
Yan-Yin Tse