Johannes Kleske: Kultur braucht Gärtner

Dass er als Zukunftsforscher auf einer Konferenz zu Digitalisierung nicht mit PowerPoint am Start ist, wird Johannes Kleske schnell vergeben. Dass er nicht gekommen ist, damit wir es uns gemütlich machen, ist auch schnell klar. Denn: Es ist Zeit, dass die Kirche den Wandel mitgestaltet, den die Digitalisierung mit sich bringt. Johannes Kleske zeichnet ein Bild, das nicht gerade positiv stimmt: Zu viele Theorien und Ansätze zum Umgang mit der Digitalisierung setzen auf gelungene Konzepte der Vergangenheit und kopieren diese schlichtweg. Es verwundert daher wenig, dass sie kaum etwas bewirken. Bevor sich auch nur irgendetwas ändern kann, hat die Entwicklung schon ihre Richtung gewechselt.

 Der Zukunftsforscher betont, dass Strategie in Kirche und Unternehmen nur in Kombination mit einer gesunden Kultur funktioniert. Diese zu etablieren ist jedoch schwierig, wenn Kontrolle und Absicherung der Standard sind. Wichtig ist, nicht kompliziert zu werden, sondern komplex – getrieben von einer klaren Mission. Damit muss sich allerdings auch das Führungsverständnis ändern. Johannes Kleske ist überzeugt: Es braucht keine Generäle als LeiterInnen, sondern GärtnerInnen. Personen, die eine Atmosphäre, ein Umfeld schaffen, in dem ihre MitarbeiterInnen aufblühen, schnell vernetzt sind und selbstständig arbeiten können.

 Ganz praktisch heißt das für Unternehmen: immer wieder zurück zum Reißbrett. Es gilt Prototypen zu entwickeln, aus Fehlern zu lernen und eine neue Vision zu entwickeln, statt sich an Bekanntem entlangzuhangeln. Digitalisierung ist mehr als nur Technologie – es ist ein durchdringender Prozess, der alle(s) verändert. Mit seinem Unternehmen Third Wave begleitet Johannes Kleske diesen Prozess.

Reflektiert von Prof. Dr. Lars Harden

Das ist ein schönes Bild, das Johannes Kleske da mitgebracht hat: Führungskräfte sollen GärtnerInnen statt Generäle werden und sein. Ich vermute und befürchte, der Weg könnte ziemlich weit sein. Führungskultur lässt sich nicht so schnell und erst recht nicht schnell und dauerhaft ändern – auch wenn der Wille groß ist. Unsere Gesellschaft unterscheidet sich in zentralen Elementen von der amerikanischen „Start-up-Hippie-flache-Hierarchien-Trial-and-Error-Kultur“, wie sie möglicherweise im Silicon Valley zu finden ist. Die ideale Arbeit ist die, die MitarbeiterInnen erfüllt, ihnen sinnvoll erscheint und relevant ist. Wenn eine solche Form von Arbeit angeboten werden kann, können sich Führungskräfte viel schneller aufs Gärtnern konzentrieren.
Yan-Yin Tse