Dr. Deborah Schnabel: der kreative Problemlöser

Die Welt wird in all ihren Facetten komplexer – und damit werden es auch die Herausforderungen an uns Menschen. Dr. Deborah Schnabels Antwort auf die Zeiten des Wandels ist der kreative Problemlöser. Dieser nimmt Herausforderungen aktiv wahr und an, anstatt Veränderungen nur zu beobachten und darauf zu reagieren. Dabei geht es auch um die Arbeit im Team: Durch Vielfalt entstehen kreativere Lösungen. Deshalb werden große Herausforderungen gemeinsam gelöst, nachdem sie in machbare Aufgaben heruntergebrochen wurden. Der kreative Problemlöser arbeitet so lange an einer Lösung, bis er die richtige gefunden hat.

 Dr. Deborah Schnabel spricht auch von der Arbeitswelt, die sich verändert. Wir arbeiten zunehmend eigenverantwortlich, flexibel, kreativ und vernetzt. Im Zentrum steht nun die komplexe Wissensarbeit. „Sehr bald werden alle Routinetätigkeiten durch den Computer erledigt“ (Frey & Osborn, 2013). Mit dem sh|ft-Publikum bewegt sie die Frage, wie dies in eine Chance umgewandelt werden kann.

Deborah’s Empfehlungen:

Gunter Dueck’s YouTube Kanal

Reflektiert von Dr. Marc Wischnowsky, Oberkirchenrat & Referent für u.a. Schule & Hochschule

 

Kreative Problemlöser waren für mich auch die biblischen Propheten. Jeremia zum Beispiel wollte seinen göttlichen Auftrag erst gar nicht annehmen. Dann hat er sich doch der Verantwortung gestellt. Einmal nimmt er einen großen Tonkrug und zerdonnert ihn vor den Füßen der Leute. Damit sie verstehen, wie nah das Zerbrechen ihrer Gottesbeziehung ist. Jesaja wiederum geht drei Tage nackt und barfuß durch die Stadt, um drastisch vor einer drohenden politischen Niederlage zu warnen. Und manche Heilsverheißung klingt wie eine Antwort auf die „Wunderfrage“ aus der systemischen Therapie, die Eingang in viele Kreativ-Coachings gefunden hat. Stell dir vor, es geschieht über Nacht ein Wunder und dein Problem ist gelöst: Wie sieht das aus, woran merkst du das? „Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. (...) Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt” (Jesaja 11,6.9; Lu). In dieser Erinnerung an die alten Propheten steckt aber auch eine wichtige Selbsterkenntnis, die ich bei den ProphetInnen des neuen Zeitalters manchmal vermisse. Kreative Problemlösungen lassen sich auch durch noch so raffinierte Methoden nicht nach Belieben „produzieren“. Manchmal braucht es dabei den unverfügbaren Kuss der Muse – oder Gottes.

 

Yan-Yin Tse